Vorschulerziehung in der Pusteblume

Vorschulerziehung trotz PISA nur im letzten Jahr – Warum?

 

Was bedeutet eigentlich der Begriff „Vorschulerziehung“? Die Erzieherinnen der Pusteblume verstehen darunter die ganzheitliche Förderung eines Kindes vom Kindergarteneintritt bis zum Schulbeginn.

 

Die Entwicklung des Kindes kann man in fünf Bereiche gliedern: sozial-emotionale, kognitive, motorische und sprachliche Fähigkeiten sowie die Sinneswahrnehmungen. Diese Bereiche müssen alle gut und ausreichend entwickelt sein, um dem Kind einen guten Schuleinstieg zu ermöglichen.

 

Würde man erst im letzten Jahr mit der Unterstützung der Entwicklung dieser Fähigkeiten beginnen, wäre dies viel zu spät und evtl. vorhandene Defizite könnten nicht mehr rechtzeitig erkannt und ausgeglichen werden.

 

Daher ist das Hauptziel der Vorschule im letzten Jahr, bei den Kindern die Vorfreude auf die Schule zu wecken und Ängste abzubauen. Sie sollen auch außerhalb von Elternhaus und Kindergarten Sicherheit gewinnen.

 

Wie vorher beschrieben, gibt es fünf Entwicklungsbereiche, die für die Schulfähigkeit entscheidend sind. Wir wollen diese Bereiche nun erläutern und einige Beispiele geben, wie wir diese fördern:

 

I. Sozial-emotionale Kompetenz

 

Dieser Bereich umfasst:

 

  • ein gutes Selbstbewusstsein;
  • die Kinder sollen emotional gefestigt sein,
  • in neuen Situationen selbstsicher (Selbstvertrauen) und selbstbewusst sein;
  • sie sollen in der Lage sein, ihren Unmut zu äußern;
  • sie sollen Konflikte verbal äußern und lösen können;
  • eine gute Frustationstoleranz sollte vorhanden sein

 

Einige Beispiele:

 

Das Kind wird durch Spielkreise dazu angeregt, vor anderen Kindern etwas aufzuführen. Dies fördert Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein.

 

Weiterhin werden sie durch Lob, Wertschätzung und Anerkennung z.B. in der Bauecke beim Konstruieren, im kreativen Bereich, im Außengelände etc. bestätigt und gefördert.

 

Auch durch das regelmäßige Austesten eigener Grenzen (klettern, laufen, balancieren) wird das Selbstbewusstsein gestärkt.

 

Konfliktlösung nimmt einen großen Stellenwert im Kindergarten ein. In einer Gruppe (später Klasse) sind die unterschiedlichsten Charaktere, was natürlicherweise zu Streit führt. Die Kinder sollen erst mit unserer Hilfe und dann später alleine ihre Konflikte lösen können.

 

 

II. Sprachliche Fähigkeiten

 

Ein weiterer wichtiger Bereich ist die sprachlich-kognitive Fähigkeit. In der Sprache gibt es fünf Teilbereiche:

 

1. Wie spricht das Kind?

 

Silbenbildung; fehlende Anlaute; Stottern; längere Sätze hintereinander; Betonung; Sprechmelodie.

Wird im Kindergarten gefördert durch Geräuschdosen, Spiele mit Richtungslauten etc.

 

2. Was spricht das Kind?

 

Ausbildung des Sprachschatzes: Kann es die Körperglieder und Dinge aus seinem Umfeld benennen?

Grammatik: Vergangenheitsformen vorhanden? Plural; Satzstellungen.

Fehlen hier Punkte, wird das Schreibenlernen hinterher schwierig.

 

3. Kann das Kind ein Gespräch führen?

 

- Blickrichtung: Schaut das Kind sein Gegenüber beim Sprechen an?

- Kann es auf ein Gespräch eingehen?

- Kann es sich zurücknehmen?

- Kann es zuhören?

 

4. Begreift das Kind die Sprache?

 

- Kann es Worte in Silben zerlegen (wichtig für das Schreiben; Klatschspiele fördern dies)

- Ist ein mathematisches Verständnis vorhanden? (Abzählreime)

- Vergleichsaufgaben (was ist länger: das Wort „Zug“ oder das Wort „Schneemann“?)

 

5. Schriftgebrauch

 

- eigenen Namen schreiben

- Vorhandensein eines Schriftbildes

 

 

III. Kognitive Fähigkeiten

 

Neben den bisherigen Punkten fließen hier noch weitere Bereiche mit ein, so die Wissenserweiterung durch „Lernen durch eigene Erfahrung“. Als ein Beispiel aus dem Alltag sei hier angeführt, dass die Kinder lernen, wie eine Pflanze wächst. Nach dem Einlegen des Samens in die Erde beobachten die Kinder, wie die Pflanze langsam wächst,  dass sie gegossen werden muss, usw.

 

Ebenso wichtig sind Konzentration und Ausdauer. Die Kinder sollen sich auf eine Sache konzentrieren können, sich nicht ablenken lassen. Konzentration bei Dingen, die Spaß machen, ist relativ einfach. Kinder müssen aber auch lernen, Dinge zu erledigen, die sie nicht so gerne machen. Zur Förderung von Konzentration und Ausdauer spielen wir Gesellschaftsspiele und machen Gestaltungsangebote.

 

IV. Wahrnehmung 

Entwicklung der Sinne: sehen, hören, tasten, Eigenkörperwahrnehmung, Orientierung im Raum

 

Visuell:

-          Farben, Formen, Größen erkennen

-          Gegenstände benennen

 

Auditiv:

-          Geräusche erkennen und orten

-          beim Turnen: mündliche Anweisungen hören und richtig umsetzen

-          ähnlich klingende Worte unterscheiden

-          einfache Melodien nachsingen

-          einfache Rhythmen klatschen können

 

Taktile Wahrnehmung:

-          „blind“ Formen erkennen

-          weich, hart erkennen (Tastspiele)

-          Temperaturen heiß/lauwarm/kalt unterscheiden

 

Körperwahrnehmung:

-          lokalisieren, wo es weh tut

-          eigene Kraft einschätzen können

-          Stifthaltung

 

Orientierung im Raum:

-          Räume wiederfinden (wichtig für Klassenräume in der Schule)

-          links, rechts, oben, unten unterscheiden können.

 

Buchstaben und Zahlenwelt: so weit wie möglich im Alltag miteinbeziehen

 

Großes Problem ist die Reizüberflutung:

Zu viel Lärm, Fernseher, Radio, Workshops

Auch die Eltern sind oft überreizt ð überträgt sich auf die Kinder.

 

Erziehung zur Selbständigkeit ist ein ganz wichtiger Elternauftrag!

 

 

V. Grob- und Feinmotorik

 

Vorab weisen wir noch einmal darauf hin, wie wichtig ausreichende Bewegung für ein Kind ist.

-          Nur durch eigene Körpererfahrung kann das Kind ein Gespür für seinen Körper entwickeln

-          Das Kind lernt, sich im Raum zu orientieren

-          Es soll eine Körperspannung aufbauen können (wichtig zum Laufen, Rennen, Sitzen, Balancieren, Malen etc.). Für die Schule ist dies wichtig, weil die Kinder dort Konzentration halten sollen, lange auf einem Stuhl sitzen, ihren Schulranzen tragen sowie den Schulweg bewältigen müssen.

-          Das Kind muss eine gute Fingerfertigkeit beherrschen. Dies üben wir z.B. durch Gestaltungsangebote (Schneiden, Malen), Bauen und Konstruieren in der Bauecke.

 

 

Im Kindergarten wird dieser Bereich außerdem durch Waldtage, Fahrzeuge (Laufrad, Dreirad, etc.), Balancieren, Bewegungsangebote usw. gefördert.

 

Abschließend ist zu sagen: Wichtig für die Schule ist eine stabile Persönlichkeit. Die Kinder müssen gestärkt und selbstbewusst sein, um darauf aufzubauen. Wenn einer der o.g. Bereiche schwach ist, beeinflusst dies alle anderen Bereiche.

 

 

Wie sieht nun unsere Vorschule aus?

 

Wir teilen die Vorschule in Einheiten ein. Diese Einheiten bestehen aus vier bis fünf Treffen. Die Themen werden jedes Jahr individuell auf die Kinder zugeschnitten und gestaltet.

 

Hier eine Themen-Übersicht der Vorschuleinheiten:

 

 

1. Gruppenfindung und Naturerlebnisse im Wald

 

Die neue Vorschulkindergruppe soll sich durch verschiedene Spiele finden. Weiterhin können die Kinder viele spannende Experimente und Spiele erleben.

 

2. Ich bin Ich

 

Die Kinder lernen sich und ihren Körper kennen. Sie werden gestärkt, indem sie lernen eigene Grenzen zu setzen, „nein“ zu sagen, Gefühle erkennen und benennen können.

 

3. Berufe

 

Die Kinder lernen den Beruf „ Feuerwehrmann/-frau“ kennen. Alles dreht sich rund um dieses Thema: Feuerwehrmann, Feuerwache, Feuerwehrauto. Das Thema endet mit einem Besuch bei der Feuerwehr.

 

 

4. Vorschulkinderkaffee

 

Die Kinder laden Ihre Eltern zu einem „Kaffeenachmittag“ in den Kindergarten ein und sind für die Bewirtung ihrer Eltern zuständig. Im Vorfeld werden sie den Nachmittag vorbereiten. Es wird gebacken, gebastelt uvm.

 

5. Kreatives Gestalten


Die Kinder sammeln viele Erfahrungen im Bereich „Kunst und Kultur“. Sie lernen in Museen Künstler und ihre Kunstwerke kennen. Danach dürfen sie selber experimentieren und gestalten.

 

 

 

 

 

4.Theaterauführung Karneval

 

Die Kinder studieren ein kleines Theaterstück ein:

Dies fördert die sozial-emotionale Kompetenz wie Zusammenhalt, gemeinsames Lernen, gemeinsamer Erfolg, Förderung des Selbstbewusstseins, Förderung der kognitiven und Sprachkompetenz.

 

5. Vertiefung Natur- und Walderlebnisse im Frühling

 

In dieser Einheit wird das Wald- und Naturerlebnis aus dem Herbst aufgegriffen

und vertieft. Danach folgt eine Einführung in das Thema Frühling.

 

 

6. Besuch beim Imker

 

Kinder lernen die Welt der Bienen kennen. Beim „Dorfimker“ dürfen sie selbst Honig schlagen und verzehren.

 

7.. Vorbereitung auf die Abschlussfahrt

 

Die Kinder werden motiviert. Evtl. Ängste werden abgebaut.

 

8. Schultütenbasteln

 

Jedes Kind bastelt mit Mutter, Vater, Oma oder Opa seine Schultüte.

Vorfreude auf die Schule wecken

 

9.Abschlussfahrt (z.B. auf eine Ponyranch, in einen Naturpark oder auf einen Bauernhof)

Die Kinder und Erzieher treffen sich an einem Freitag, fahren dann gemeinsam zum jeweiligen Ausflugsziel und verbringen dort einen schönen Tag. Am nächsten Tag folgt dann ein gemeinsames Frühstück, zu dem auch die Eltern kommen. Danach feiern wir gemeinsam Abschied. Jedes Kind erhält eine Abschiedsmappe.